Präsentieren für Webworker

31. März 2007 - am Nachmittag

Präsentation einer Website
Da ich gerade mal wieder die Präsentation eines umfangreichen Website-Projekts fertiggestellt habe, kam mir die Idee eine kleine Serie zu diesem Thema zu erstellen. Denn bisher konnte ich wenig wirklich hilfreiches dazu im Web finden und bei der - zugegeben - flüchtigen Recherche habe ich festgestellt, dass vom gesamten Website-Produktionsprozess die Bereiche “Design” und “technische Umsetzung” wie allseits bekannt bereits sehr oft und gut beschrieben, der Punkt “Präsentation” aber eher selten dokumentiert und besprochen wurde.

Dabei ist das Thema eigentlich elementar wichtig, da meist bereits in der Präsentation oder besser gesagt an deren Ende entschieden wird, ob tage- oder sogar wochenlange Arbeit von Erfolg gekrönt ist, oder ob am Ende doch alles für die Katz war.

Interessant ist dabei die Erkenntnis, dass nicht die Qualität des Entwurfs allein ausschlaggebend für den Erfolg ist, sondern ganz klar auch der Rahmen und die Art und Weise wie das Konzept und die Entwürfe vorgestellt werden. Damit möchte ich keinesfalls die Fahne derer schwingen, die meinen, dass ein geschulter Verkäufer alles - auch hingeschluderte, schlechte Layouts verbimmeln kann - Hauptsache er benutzt eine blumige Marketingsprache und macht bei der Präsentation nur genügend Zinnober. Das ist nicht meine Philosophie und soll hier auch nicht das Thema sein. Es geht viel mehr darum, dass eben auch ein wirklich guter Entwurf beim Kunden durchfallen kann, weil vorher nicht die richtigen Dinge bedacht und während der Präsentation die falschen Dinge gemacht wurden. Die Serie gliedert sich grob in die Bereiche Vorbereitung, Präsentation vor dem Kunden und Nachbereitung. Schon der Vorbereitung zu einer Präsentation tauchen einige mehr oder weniger umfangreiche Fragen auf:

  • Verwende ich geglättete oder ungeglättete Schriften in den Layouts?
  • Vor wem präsentiere ich? Welcher Kenntnisstand ist vorhanden?
  • Welche Seiten und Bereiche der Website müssen vorgestellt werden, welche Funktionsdiagramme erleichtern das Verständnis?
  • Mit welcher Technik präsentiere ich – klassische Pappen, Laptop, Beamer?
  • Präsentiere ich Tiffs, ein Pdf oder mit Powerpoint (geht so) oder Keynote (sehr gut)?
  • Wie sollte die Präsentation aufgebaut werden, wie führe ich den Kunden an den Entwurf heran?
  • Präsentiere ich allein oder besser zu zweit?
  • Was lasse ich dem Kunden zur Nachbetrachtung da?

Vor wem präsentiere ich?

Ganz wichtig ist: Kenne dein Gegenüber. Eines vorab: Hier soll es keinesfalls darum gehen Kunden zu veralbern oder bloß zu stellen. Ziel ist einzig und allein das Verständnis von Designern für den Kunden und auch umgekehrt zu wecken. Dabei kommt vielleicht die ein oder andere Verallgemeinerung vor - sorry.

Wichtig ist, kein spezifisches Webwissen beim Kunden vorauszusetzen. Eventuell findet - je nach Größe des Unternehmens - die Präsentation vor der EDV-Abteilung statt. Aber oft werden auch Kollegen aus anderen Abteilungen hinzugezogen, für die Begriffe wie “Bildschirmauflösung”, “Webstandards”, “SEO” usw. böhmische Dörfer sind. Darauf sollte man in Präsentationen unbedingt Rücksicht nehmen und so viel wie möglich erläutern.

Im Allgemeinen ist das Verständnis für Websites und das Wissen darum auf der Kundenseite mittlerweile deutlich besser als noch vor zwei Jahren. Größere Unternehmen beschäftigen Mitarbeiter die sich ausschließlich mit dem eigenen Internetauftritt beschäftigen und daher sehr gut in die Materie eingearbeitet sind. Viele kennen mittlerweile den Unterschied zwischen Print- und Webentwürfen und haben ein offenes Ohr für Themen wie Webstandards und Barrierearmut. Sie sind über aktuelle Entwicklungen im Web informiert, kennen technische Einschränkungen, schauen sich die Präsentation zunächst in Ruhe an, stellen dann die richtigen Fragen, beurteilen als erstes das grundlegende Konzept und erst später grafische Einzelheiten, gleichen den ganz persönlichen Geschmack mit der für die Zielgruppe Besucher der Website notwendigen Ansprache ab und versuchen mit konstruktiver Kritik und Vorschlägen zum Gelingen des Projekts beizutragen. Sie haben eine eigene Meinung und äußern diese auch. Hier macht präsentieren Spaß.

Allerdings müssen leider auch einige - nennen wir sie - Querulanten skizziert werden, die einem immer wieder grundlos Sand ins Getriebe schütten und damit das Präsentieren erschweren.

Der Querulant (von lateinisch querulus – „gern klagend“) bezeichnet einen Menschen, der sich leicht ins Unrecht gesetzt fühlt, der aus geringfügigem oder vermeintlichem Anlass Klage erhebt oder sich bei Behörden oder Institutionen beschwert. Starrsinnig und unbeeinflussbar durch maßgebende Belehrung versucht er sein vermeintliches oder tatsächliches Recht zu erreichen. Sein Verhalten steht in keinem angemessenen Verhältnis zur Situation. Eine treffende Beschreibung für einen Querulanten ist: Er ist von Beruf dagegen, weil selbst ein Einschwenken auf die vom Querulanten geäußerte Meinung ihn nicht befriedigt.
Quelle Wikipedia

Klar ist, das es in der Regel beiden Seiten darum gehen sollte das Projekt voranzutreiben und konstruktiv daran mitzuarbeiten. Aber nicht immer sind einem bei einer Präsentation alle positiv gesonnen. Selten hat man es mit folgenden Charakteren zu tun:

Die Vorsichtigen

Sie warten, bis der Vorgesetzte seine Meinung kundgetan hat und springen dann sofort bekräftigend auf den Zug auf. Sagt der Boss, dass ihm die Seite gefällt wird gelobt - wird sie vom Chef verrissen, aber auch genauso gerne ohne wenn und aber in den Boden gestampft. Die wirklich eigene Meinung bleibt dabei im Unklaren. Schade, denn Sie tragen meist nicht zur Verbesserung des Entwurfs bei, obwohl Sie mit Ihrer Erfahrung im Unternehmen etwas beizusteuern hätten.

Die ambitionierten Aufsteiger

Möchten in der Firma noch hoch hinaus und nutzen daher jede Gelegenheit sich zu profilieren. Gerade wenn Chef oder Chefin bei der Präsentation anwesend sind. Eigentlich kein Problem, aber manchmal wird dabei nur deshalb etwas gesagt, damit etwas gesagt wird. Dabei handelt es sich meist um Marginalien, wie zum Beispiel die Kritik an der Stärke eine Linie oder ähnlich unwichtigem. Das gibt Ihnen die Chance im weiteren Verlauf noch die Verhaltensweise der Gruppe der Vorsichtigen (siehe oben) zu Tage zu legen.

Die Geschmäcklerischen

Es geht sofort um Kleinigkeiten - niemals um das große Ganze. Da wird schon als allererste Reaktion einmal gern der Farbton eines Impressum-Links im Footer unbestimmt als „irgendwie – ich weiß nicht… zu grünlich“ oder ein Bild im Header einer x-ten Unterseite als „nicht wertig genug“ bezeichnet. Die Gefahr ist hierbei, dass man sich sehr früh in ausufernde Diskussionen über unwichtige Dinge verstrickt und den Faden verliert. Natürlich sollte man die Kritik aufnehmen, aber auch sein Gegenüber bitten das doch vielleicht eher zum Ende hin zu besprechen.

Der ahnungslose Besserwisser

Hat vom Web keine Ahnung (überhaupt nicht schlimm), benimmt sich aber so als wäre das Gegenteil der Fall (sehr schlimm). Ihm ist der Entwurf ” irgendwie zu statisch, mehr bewegte Elemente - Buchstaben die reinfliegen oder eventuell ein News-Ticker auf einer vorgeschalteten Startseite“ könnten seiner Meinung nach Abhilfe schaffen und leben in die Bude bringen.

Hat man so jemanden in einer Präsentation vor sich, gilt es die Ruhe zu bewahren. Man kann es mit Erläuterungen und Beispielen versuchen, darf aber nicht zu hartnäckig werden. Denn umso mehr man diskutiert, umso wichtiger werden die Vorbehalte und Gegenargumente. Ein eventuell “nicht ganz stimmiger Farbton” wird dann zu einem “völlig unpassenden Farbkonzept”, eine Verdana im Fliesstext wird plötzlich absolut “unvereinbar mit dem CD der Firma” und damit zu einer “Zumutung für jeden Besucher der Website”. Wie gesagt, dass sind Ausnahmen aber es schadet nicht sich auch auf diese Ausnahmen vorzubereiten.

Präsentieren für Webworker:
Teil I: Einleitung
Teil II: Präsentationen vorbereiten
Teil III: Präsentieren
Teil IV: Nachbereitung

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