War ich ein A-Blogger? Ein Grimme Rückblick
20. Juni 2007 - mitten in der Nacht
OK, eigentlich bin ich im Blogger Alphabet eher weiter hinten anzutreffen - kein Problem. Aber heute, bei einem Spaziergang habe ich darüber nachgedacht, ob ich vorgestern nicht doch eigentlich mal - zumindest kurzfristig - ein A-Blogger war. Warum?
Ich habe wie viele andere auch, über Twitter mitbekommen, dass auf der Grimme-Website die Preisträger des Grimme Online Awards bekannt gegeben wurden - leider bereits zwei Tage vor der eigentlichen Veröffentlichung, und hatte damit die Chance zu einem der ersten zu gehören, darüber zu bloggen. Klar war da auch eine Portion Schadenfreude dabei und irgendwie auch das Gefühl einen kleinen Skandal mit aufdecken zu können.
Aber mit etwas Abstand denke ich darüber nach, was eigentlich wirklich passiert ist. Vielleicht hat irgendein Praktikant der die Daten schon einmal vorsorglich eintragen sollte, blöderweise das Verstecken-Häkchen im CMS nicht gesetzt und - plop - war die Sache halt online.
Und, ist das jetzt wirklich ein Riesenskandal? Schieberei? Bestechung? Flickr Zensur ähnlich? Nö. Wahrscheinlich eben nur ein dummer, individueller Fehler irgendeines Grimme Angestellten. Aber trotzdem haben ich und eben eine ganze Menge andere Blogger auch so getan, als ob man da eine Riesensache aufgetan hat und natürlich direkt Screenshots der Seite gemacht oder die Namen aller Preisträger abgeschrieben und veröffentlicht.
Aber jetzt, mit etwas Abstand, erschleicht mich doch der Gedanke, dass ich reingefallen bin - auf mich selbst, auf die Visit- und Hammerstory-Geilheit, der man als Blogger manchmal erliegen kann. Hätte man nicht auch einfach nur eine E-Mail ans Grimme Institut schreiben und die Zuständigen dort auf den Missstand hinweisen können? Hätte natürlich keine Visits für das eigene Blog gebracht, keine Streicheleinheiten fürs Ego, stimmt. Hätte man nicht darüber schreiben, aber zumindest die Preisträger verschweigen können? OK, wäre halt nicht so spektakulär.
Aber ist das dann nicht eigentlich nur billiger Boulevardjournalismus, also Bild-Niveau auf das man sich da begibt? Also eher A wie A (sozial) Blogger. Ich frage mich das jetzt einfach mal. Es wurde doch kein echter Skandal aufgedeckt, keine Betrügerei oder ähnliches. Egal was vorher alles seltsames lief beim Grimme Award, auch ich habe das kritisch verfolgt: Wahrscheinlich war es der Fehler einer einzelnen Person, die mit ziemlicher Sicherheit einigen Ärger dadurch bekommen hat.
Haben wir nicht zu sehr auf die Besucherzahlen geschielt und sind uns dabei selbst auf den Leim gegangen? Mein Fazit: Man muss sich seiner Verantwortung noch deutlicher bewusst werden, sich locker machen und demnächst die ein oder andere Sekunde länger darüber nachdenken was man bloggt, auch wenn man dann vielleicht nicht mehr bei den allerersten ist.
21. Juni 2007 um 10:34
Ganz deiner Meinung.
21. Juni 2007 um 10:48
du hast sicher recht, das das geblogge hauptsächlich häme war über einen fehler der jedem hätte passieren können. das es jedoch dem offenbaren beurteiler von qualität im online bereich passiert und es ein weiteres steinchen im kuriositäten-mosaik der diesjährigen vergabe war, war wohl mehr der grund für das schnellgeblogge. und klar eigene popularität ist auch oft der grund für sowas. da kann jeder seine eigene eitelkeiten hinterfragen.
21. Juni 2007 um 15:46
Preise sind eine Möglichkeit, Qualität zu fördern. Die Entscheidung einer Jury ist immer einseitig und subjektiv, aber wenn sie plausibel und nachvollziehbar ist, hat sie auf die Kulturlandschaft einen motivierenden Effekt. Das scheint mir für den Grimme-Online-Award zu gelten.
21. Juni 2007 um 17:44
klasse Einstellung finde ich.
Aber ich kann mir auch gut vorstellen, dass das schwer fällt jedesmal “locker zu bleiben” wenns unter den fingern juckt. es gibt viele viele negative beispiele ja, das nervt weil man schnell merkt wo die meisten “A”‘ler drauf aus sind.
ich bin eher jemand der impulsiv reagiert und das auch durchaus mitteilt. hätte mir also auch passieren können… ich ziele dabei aber nur auf ein “mich mitteilen” und meine meinung mit den engeren bekannten und freunden diskutieren, als darauf dass ich wahnsinnigviele hits bekomme. daher auch lieber manchmal “nur” über twitter, IM oder skype. :)
21. Juni 2007 um 23:11
Stimme Dir zu und bin der “Grimmepanne” selbst auch erlegen, aber ohne auf die Nutzerzahlen zu schielen :)
Das Grimme Institut hat aber relativ gut reagiert. Fehler passieren und mal ein falsches Onlinedatum einzustellen ist dem/ der ein oder anderen sicher schon passiert.
29. Juni 2007 um 12:55
Gejuckt hat’s, für Fudder aus Freiburg gefreut, häte schon längst pennen sollen, endlich mal ganze 15 statt 2 Hits am Tag, ein Quantensprung, und impulsiv bin ich auch, hach, es kam einfach alles zusammen an diesem Märchentag ;-) Kleinlaut: aber hast ja Recht, Greetz von der pl0gbar KA